Polypen müssen nicht sofort entfernt werden
Eltern, deren Kinder auffallend oft unter Atemwegserkrankungen leiden, erhalten oft vom Kinderarzt die Diagnose vergrößerter Polypen. Einher geht damit meist die Empfehlung zur Operation. Neue Erkenntnisse allerdings sprechen eher für ein abwarten und beobachten.
Jedes Kind hat Polypen. Unter normalen Umständen werden sie kaum bis nicht emerkt. Leidet allerdings ein Kind unter häufigen Atemwegserkrankungen, so sind auch in den meisten Fällen die Polypen im Rachenraum vergrößert. Je nachdem wie stark diese Vergrößerung ist, können sie dabei Beschwerden verursachen wie beispielsweise eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte, schlecht Luft durch die Nase bekommen, aber auch weitergehend Schlafstörungen zur Folge haben oder eine vorübergehende Schwerhörigkeit bedingen.
Bisher wurde davon ausgegangen, dass mit der Entfernung der Polypen sich die Atemwegsinfekte ebenso deutlich verringern, wie auch die Begleiterscheinungen. Niederländische Hals – Nasen – Ohren Ärzte allerdings stellten dies in Frage. Eine breit angelegte Studie sollte dazu Aufschluss geben.
Das Ergebnis überraschte. Die Zahl der Erkrankungen der Atemwege bei Kindern, deren Polypen entfernt worden waren, unterschied sich nur unwesentlich von der Erkrankungsanzahl bei den Kindern, die nicht operiert worden waren. In Zahlen ausgedrückt kam es bei Kindern nach der Operation, bei der die Polypen entfernt worden waren, zu 7,91 Infektionen pro Jahr und Kind, bei den Kindern, deren Polypen nicht entfernt wurden, zu 7,84 Infektionen pro Jahr und Kind. Bei den operierten Kindern fiel sogar auf, dass sie mehr Tage fieberten, als diejenigen, deren Polypen zunächst nicht entfernt worden waren.
Auf Grund ihrer Erkenntnisse raten daher die Mediziner dazu, bei vergrößerten Polypen zunächst abzuwarten und genau zu beobachten und nicht sofort zu operieren.
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Archivbeitrag aus dem Jahr 2011. Einzelne Angaben können veraltet sein; aktuelle Ratgeber finden sich in der Ratgeber-Übersicht.


